Presseberichte

„Eine der härtesten Sportarten“

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 03 Jun 2013
Presseberichte >> 1. Mannschaft

„Eine der härtesten Sportarten“

 Wasserball: SV 04 kämpft gegen den Abstieg aus der Verbandsliga – Heimspiele im Waldbad

 Stöße, Tritte, Ellbogenchecks – die Wasserballer des SV Heidenheim 04 müssen viel aushalten und trainieren hart. Trotzdem befindet sich die Mannschaft im Abstiegskampf.

 LAURA STRAHL

 Dienstag, 20 Uhr: Die letzten Badegäste sind gerade erst gegangen, da wird es noch einmal laut in der Aquarena. Etwa 20 Männer und eine Frau schwimmen kreuz und quer durch das Schwimmerbecken, jagen einem fußballgroßen, gelben Ball hinterher. Wo sonst Rentner gemütlich ihre Bahnen ziehen, brodelt jetzt das Wasser –die Wasserballer des SV Heidenheim 04 befinden sich mitten im Training. „Wasserball ist eine der härtesten Sportarten, die es gibt“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende, Gunter Aeugle, und klingt dabei sehr überzeugend. Schließlich spielt der Heidenheimer schon seit 35 Jahren beim SV 04, momentan tritt das Team in der Verbandsliga an. „Viele Fouls werden unter Wasser begangen“, erklärt Aeugle – also dort, wo sie der Schiedsrichter vom Beckenrand aus nicht sehen kann. Stöße in den Unterleib, Tritte und Ellbogenchecks seien beim Wasserball keine Seltenheit. Die Schwierigkeit bestehe darin, den Ball trotz allem nicht aus den Augen zu verlieren.

„Das kostet viel Kraft und viel Luft“, bestätigt Karl Niederberger. Der Vorsitzende des SV 04 ist seit 50 Jahren dabei, brachte es mit dem Team vor Jahren sogar bis in die zweite Bundesliga. Von derartigen Erfolgen kann die Mannschaft heute nur träumen. Nach mehr als der Hälfte der Saison steht der Verbandsliga-Aufsteiger momentan recht abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. „Wir werden wohl wieder absteigen“, sagt Aeugle.

Unzufrieden wirkt er deswegen aber nicht: Im Vergleich zur Bezirksliga sei das Spielniveau in der Verbandsliga eben sehr hoch.

Ein paar Partien hat das Team von Spielertrainer Daniel Ochs knapp verloren. „Einigen Spielern mangelt es einfach noch an der nötigen Erfahrung“, sagt Aeugle und liefert die Begründung dafür gleich hinterher: Die Nachwuchsspieler müssen direkt bei den Aktiven einsteigen, quasi „von Null auf Hundert“. Für Jugendturniere hat der SV 04 nicht genügend eigene Spieler.

Apropos Jugend: Wie kommt man in einer fußballverrückten Gegend wie Heidenheim eigentlich zum Wasserball? „Meist durch den Wettkampfsport Schwimmen“, sagt Niederberger. Und das mache auch durchaus Sinn, denn: „Springen kann jeder, Schwimmen nicht.“Es komme immer wieder vor, dass Neulinge den Sport schon  nach  einigen Trainingseinheiten entkräftet aufgeben, weil ihnen das Schwimmen zu anstrengend ist. „Im Gegensatz zum Fußball hat man beim Wasserball nicht nur den Ball und den Gegner zum Feind – sondern auch das Wasser.“ Wohl aus diesem Grund steht zu Beginn einer jeden Trainingseinheit zunächst einmal Schwimmen auf dem Programm. Erst ohne, dann mit Ball. „Pro Spiel schwimmen wir etwa drei bis vier Kilometer“, schätzt Aeugle, umgerechnet sind das etwa eine 50-Meter- Bahn – mal 70. Nach dem Einschwimmen feilen die Wasserballer an ihrer Pass- und Schusstechnik, studieren Spielzüge ein und trainieren Überzahlsituationen – eineinhalb Stunden lang volle Power und ohne Berührungsängste. Dass ein Spieler im Eifer des Gefechts unter Wasser gedrückt wird, kommt immer wie- der vor. Trainiert wird dabei zweimal pro Woche, zum Teil gemeinsam mit der zweiten Mannschaft (Bezirksliga). Zusätzlich zur Aquarena haben die Wasserballer im Sommer die Möglichkeit, nach Badeschluss im Waldbad zu trainieren. Dort sollen auch die nächsten beiden Heimspiele am 8. und 29. Juni (jeweils Samstage) ausgetragen werden. Spielbeginn ist jeweils um 17 Uhr. „Wir hoffen auf viele Zuschauer“, sagt Aeugle, Randsportart hin oder her. Insgesamt stehen den Wasserballern vom SV 04 in dieser Saison noch acht Spieltage bevor.„Sollten wir tatsächlich absteigen, ist unser Ziel der direkte Wiederaufstieg in die Verbandsliga“, stellt Aeugle klar und Niederberger fügt kämpferisch an: „So lange, bis wir oben bleiben.“

 

 

Keine Berührungsängste: ein Unterleibsschutz ist obligatorisch

 

Die Wasserballabteilung des SV Heidenheim 04 gibt es seit der Vereinsgründung im Jahr 1904. Derzeit sind  zwei Mannschaften gemeldet, eine in der Verbands-, eine in der Bezirksliga. Jugendtraining wird ebenfalls angeboten. Weil es unter der Wasseroberfläche oftmals sehr ruppig zugeht, tragen die Spieler einen Unterleibsschutz und eine reißfeste Badehose. Zudem gibt es eine Mütze mit Spielernummer und integriertem Ohrenschutz. Dadurch wird das Trommelfell bei Schlägen geschützt. Ein Wasserball hat in etwa die Größe eines Fußballs, ist jedoch durch seine raue Oberfläche gut zu greifen. Pro Mannschaft spielen sieben Spieler: sechs Feldspieler und ein Torwart. Ein Spiel besteht aus vier Vierteln à acht Minuten. Nach dem zweiten Viertel gibt es eine fünfminütige Halbzeit (nach allen anderen Vierteln eine zweiminütige Pause). Da nach jedem Foul abgepfiffen wird, dauert ein Spiel effektiv knapp eine Stunde.

 

 

Heidenheimer Zeitung, 03.06.2013

Zuletzt geändert am: 15 Jun 2013 um 10:54

Zurück

Menu